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Allgemeines => Allgemeine Diskussionen => Verschiedenes => Thema gestartet von: DocEmmettBrown am 23:08 am Samstag, den 23. Dezember 2023

Titel: SuperGAU "E-Rezept"
Beitrag von: DocEmmettBrown am 23:08 am Samstag, den 23. Dezember 2023
Ich wußte es schon vorher, aber meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich wieder mal bestätigt, nämlich der SuperGAU des E-Rezepts. Die meisten von Euch werden es vermutlich inzwischen schon kennen, aber für die, die damit noch nicht in Berührung gekommen sind (z.B. Privatpatienten), hier eine kurze Erklärung:

Das E-Rezept soll den "Datenverkehr" zwischen Arzt und Apotheke digitalisieren, Papier sparen, das Klima der ganzen Welt retten und alles einfacher machen. Die Funktion ist ganz simpel: Der Arzt stellt mit seiner EDV das E-Rezept für Medikamente aus, speichert das per Mausklick auf einem zentralen Server (DSGVO???), dem auch die Patientennummer des Kassenpatienten zugewiesen ist. Der Patient fährt nun zur Apotheke, legt seine Krankheits- Gesundheitskarte vor und der Apotheker überreicht dem Patienten mit fröhlichem Lächeln alle gewünschten Medikamente, die der Apotheker selbstverständlich vorrätig hat. Das ist die Theorie!

Wie zu erwarten sieht die Praxis vollkommen anders aus. Zuerst einmal verklickt sich die tüddelige Arzthelferin und trägt das falsche Medikament (oder falsche Packungsgröße) in die Serverdatenbank ein. Das tut sie, weil sie es schon seit Jahren immer wieder mal falsch gemacht hat. Früher konnte der Patient das auf dem Druckrezept sofort sehen und reklamieren, aber das geht ja nun nicht mehr. Also fährt er zur Apotheke und erfährt erst einmal, daß die Hälfte der "Bestellung" nicht vorrätig ist - so wie wir das alle schon seit Jahren (!) kennen. Also bestellt die Apotheke die restlichen Medikamente und der Patient muß ein weiteres Mal zur Apotheke fahren (nochmal Benzin/Diesel, Abgase, Zeitaufwand), um den Rest der Bestellung abzuholen.

Bisher hatte ich das immer so gehandhabt, daß ich die Papierrezepte nach Sichtkontrolle beim Arzt zuhause einscannte und per E-Mail bei der Apotheke vorbestellte mit der Bitte um Mitteilung, ab wann die Medis verfügbar sind. Dies ersparte Benzin/Diesel, Abgase und Zeit und war absolut unkompliziert.

Glücklicherweise geht das heute immer noch, denn man kann sich auf Wunsch die E-Rezepte auch immer noch beim Arzt ausdrucken lassen. Aber jetzt der nächste Knaller: Bisher hatten auf ein DIN A6-Rezept drei Medikamente gepaßt. Mit dem neuen E-Rezeptausdruck paßt aber nur ein Medikament auf ein ganzes DIN A4-Blatt, womit der Papierverbrauch, der ja eigentlich günstiger sein soll, um das Zwölffache gegenüber früher ansteigt. Das führt die angebliche Papierersparnis natürlich völlig ad absurdum, ist aber immer noch besser als aufgewendetes Benzin/Diesel, Zeit und erzeugte Abgase.

Das Schlimme dabei ist, daß ich das alles vorher schon wußte, weil das immer so läuft: In der bunten Hochglanzwelt, in der alles reibungs- und fehlerlos funktioniert und alles auf Lager ist, sieht es spitze aus, aber in der Praxis werden Fehler gemacht und man muß mehrfach zur Apotheke pendeln, weil irgendwas wieder nicht lieferbar ist, oder halt doch wieder auf die alte Papierebene zurück, weil der neue Seich hinten und vorne nicht ausgegoren ist. >:(

73 de Daniel
Titel: Antw:SuperGAU "E-Rezept"
Beitrag von: Digger am 15:41 am Mittwoch, den 27. Dezember 2023
Theorie ist, wenn man alles weiß
Praxis ist, wenn man alles kann.

Und was ist, wenn Theorie und Praxis vereint werden?

Man weiß nix und kann nix!

73 Digger
Titel: Antw:SuperGAU "E-Rezept"
Beitrag von: Delta Charlie am 18:19 am Dienstag, den 02. Januar 2024
Das wird erst mal werden wie bei der E-AU.
Vom Arbeitgeber groß angepriesen, weil man damit viel Greenwashing Umweltschutz betreibt... Und es wurde sofort zum Start bei uns verpflichtend eingeführt.

Die Realität:
Personalsoftware hat, wie das immer so ist, gar nix kapiert von den tollen E-AUs. Also doch noch ein halbes Jahr lang Zettelchen ausdrucken müssen.
Und das mit mehr Aufwand als vorher, weil die Software ja jetzt eine elektronische AU verlangt hat.
Bin mir gar nicht sicher, ob das bis heute reibungslos funktioniert.

Ich will gar nicht wissen, wie viele dringende Medikamentenausgaben wegen fehlerhafter E-Rezepte, oder fehlerhafter zugrundeliegender Infrastruktur/Software kritisch verzögert werden.
Das wird lustig...

Ich denk's mir wie immer: Einfach ist immer besser.
Also schön weiter Zettelchen beim Arzt des Vertrauens anfordern  ;)

73 de DC
Titel: Antw:SuperGAU "E-Rezept"
Beitrag von: DocEmmettBrown am 22:53 am Dienstag, den 02. Januar 2024
Zitat von: Delta Charlie am 18:19 am Dienstag, den 02. Januar 2024Also schön weiter Zettelchen beim Arzt des Vertrauens anfordern  ;)
Wenn's mal nur "Zettelchen" wären. Wie oben beschrieben hatte ich genau den Fall, daß ich drei Medikamente besorgen sollte, die früher auf genau ein DIN A6-Rezept gepaßt hatten, aber heute je Medikament je ein DIN A4-Blatt benötigen, also den 12-fachen Papierverbrauch. Meinen herzlichen Glückwunsch, Herr Lauterbach!

73 de Daniel
Titel: Antw:SuperGAU "E-Rezept"
Beitrag von: DocEmmettBrown am 03:11 am Samstag, den 06. Januar 2024
Korrektur:
Es geht doch mehr als nur ein Medikament auf ein DIN A4-Blatt, aber damals wußte dies auch die Arzthelferin (noch) nicht, wie man das druckt - inzwischen schon. Damit ist der Papierverbrauch zwar immer noch höher als bei den "alten" Rezepten, aber nicht mehr gar so schlimm. ;)

73 de Daniel